

„Es war einmal eine …“ so fangen alle Märchen an. Märchen sind erfundene Geschichten und entsprechen nicht der Wahrheit. Das Märchen von der bösen Stadtverwaltung in Wiesloch und den bösen Zwergen und Kobolde im Regierungspräsidium die den Menschen im Wohngebiet Rebenweg schaden möchte, halte ich ebenso für unwahr.
Bei der CDU-Veranstaltung zur Umgehungsstraße war unter anderem auch der Wieslocher Diplom-Geologe Dr. Hildebrandt als Referent zu Gast. Dr. Hildenbrandt ist weit über die Stadtgrenzen hinaus als Geologe und Gutachter für Bergwesen und Schwermetalle bekannt, vor allem aber anerkannt. Anhand sehr alter Karten konnte er über die 2.000 Jahre alte Geschichte des Wieslocher Bergbaus berichten. Es wurde sachlich, fundiert und kompetent berichtet, dass die Nordumgehung deshalb so viel teurer sei, weil zum Einen der zu abtragende Boden verseucht ist und dieser als Sondermüll entsorgt werden müsse und zum anderen der Boden entlang der geplanten Nordumgehung einem Schweizer Käse gleicht.
Fakten und klare Erkenntnisse in Zweifel zu ziehen, halte ich zumindest für fraglich. Ebenso für falsch halte ich es Verkehrsprognosen, die von unabhängigen Personen, die sich tagtäglich mit Verkehrsproblematik, auseinander setzen und nach standardisierten Verfahren berechnet werden in Frage zu stellen. Die Bürgerinitiative gegen eine Südumgehung agiert hier nach dem Churchill-Zitat „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“.
Wie aussagekräftig die 24-Stunden-Verkehrszählung des NABU in Altwiesloch aus dem vergangenen Herbst ist, lasse ich mal offen. Was jedoch völlig bei dieser Zählung außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass zu jener Zeit die Heidelberger Druckmaschinen AG, immerhin Wieslochs größter Arbeitgeber, Kurzarbeit hat. In wie weit kann diese Zählung dann repräsentativ sein? Zudem gibt es auch Studien, die davon ausgehen, dass der Verkehr in den kommenden Jahren zunehmen werde (Gründe u.a.: Zunahme der Senioren-Mobilität, zunehmende PKW-Verfügbarkeit).
Die Kritiker einer Umgehungsstraße diskutieren über einige wenige tausend Autos plus oder minus. Aber bei täglich weit über 20.000 KfZ, die durch das Nadelöhr Altwiesloch fahren, sollte in meinen Augen mehr über diese große Anzahl gesprochen werden und die daraus resultierende Belastung für den Stadtteil Altwiesloch, aber auch für die Kernstadt. Dass Umgehungsstraße mit Lärmschutz gebaut werden können, zeigen Beispiele aus dem Umland.
Wie Karl Klein, MdL, bei der CDU-Veranstaltung erläuterte werden die Kosten ein mitentscheidender Faktor sein. Und wenn die Bürgerinitiative eine Nordumgehung egal zu welchem Preis fordert, so bedeutet dies de Facto das Aus für eine Umgehung Wiesloch.
Daher sollte zunächst in Wiesloch die Frage diskutiert werden, ob die Mehrheit überhaupt eine Umgehungsstraße möchte. Dann erst sollte über die Varianten gesprochen werden. Eine Frage die sich in diesem Zusammenhang ebenso stellen wird, lautet „Was passiert mit dem Verkehr, wenn die beantragte und irgendwann realisierte Umgehungsstraße Dielheim vor den Toren Wieslochs endet und Wiesloch hat eine Umgehung abgelehnt?“. Der unerträgliche Ist-Zustand in der Dielheimer Straße, wo LKW den ganzen Tag 80 cm am Schlafzimmerfenster vorbei rasen, wurde in einem Leserbrief einer Anwohnerfamilie in der Samstagsausgabe geschildert. Ist es nun nicht endlich an der Zeit nach vielen Jahrzehnten der Diskussion und der Versprechungen zu handeln?
Bezeichnend am Abend der CDU-Veranstaltung war die Frage eines Stadtrates der die Anwesenden zum Thema „Verkehrsentlastung- und vermeidung“ fragte wer ohne eigenes Auto gekommen sei. Die schweigende Reaktion der großen Mehrheit sagte viel aus.
Ich denke, dass der Gemeinderat gut daran tun wird, dieses heikle Thema sachlich und im Sinne der Gesamtstadt zu entscheiden und nicht auf die Anzahl von Unterschriften zu schauen. Ich bin mir sicher, dass der Gemeinderat dies tun wird.
Adrian Seidler, Stadtrat und Vorsitzender CDU Ortsverband Wiesloch