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Pressemeldung vom 20.02.2010:
Das Sankt-Florian-Prinzip
Leserbrief von Adrian Seidler als Antwort auf die teilweisen heftigen Reaktionen des letzten Leserbriefes

Nachdem es auf meinen Leserbrief einige, teilweise heftige und unredliche, Reaktionen gab, möchte ich einiges richtig und auch klar stellen.

Von all den Leserbriefen in den vergangenen Tagen ist mir die Position von Wolfgang Widder am sympathischsten. Wolfgang Widder ist konsequent gegen eine Umgehung – gegen Nord und gegen Süd – und engagiert sich mit großem Einsatz als move-Projektleiter für eine Verbesserung der Situation. Wenn dies nun alle (Kritiker) tun würden, dann … Ja, dann wäre das Verkehrsproblem vielleicht gar keines.

In wenigen Punkten möchte ich ihn dennoch korrigieren. Wolfgang Widder schrieb in seinem Leserbrief, dass die Dielheimer Umgehungsstraße nur käme, wenn auch die Wieslocher käme. Dies ist nicht richtig. Richtig ist, dass Dielheimer unabhängig von Wiesloch eine eigene Umgehungsstraße vorantreibt. Auch die genannte Zahl von 4.000 Autos die täglich mehr durch Baiertal fahren werden ist nicht korrekt. Ein Vergleich ist nur möglich zwischen der Prognose für die Zukunft mit und ohne Umgehung, aber nicht mit der Prognose zum Stand von heute. Sonst vergleicht man bewusst oder unbewusst Äpfel mit Birnen. Auf Baiertal wird eine Mehrbelastung zukommen, bedauerlicherweise. Aber diese wird nicht so gravierend sein, wie dargestellt. Ich selbst wäre beispielsweise offen eine Pförtnerampel versuchsweise zu testen. Eine Pförtnerampel verändert aber nicht die Anzahl der Fahrzeuge. Wenn überhaupt kann sie nur den Verkehrsfluss positiv beeinflussen. Das geforderte LKW-Fahrerbot ist nicht durchsetzbar, solange es sich bei der Dielheimer Straße um eine Landesstraße handelt und es keine Alternativstrecke gibt, die keine andere Gemeinde belastet. Dies sagt das Verkehrsrecht. Leider können wir hier in Wiesloch die „Spielregeln“ nicht ändern. Aber hätte Wiesloch eine Umgehung, könnte man in Altwiesloch den LKW-Verkehr stark einbremsen, man könnte verkehrsberuhigende Maßnahmen ergreifen, eine Begrünung wäre beispielsweise möglich, weil erst dann wäre die Dielheimer Straße keine Landesstraße mehr. Insgesamt steigt die Lebensqualität für Altwiesloch, aber auch in der Kernstadt.

Die Kommentare von Stadtrat Dr. Veits waren wieder einmal sehr polemisch, aber in der Sache – leider wie so oft – wenig hilfreich. Dr. Veits, der sich schon viel länger als ich kommunalpolitisch engagiert, weiß oder müsste wissen, dass eine Gemeinde sich nicht nur eine Straße, die vom Land bezahlt werden soll/muss, wünschen kann und ruckzuck geht der Wunsch in Erfüllung. Mein Parteifreund Hermann Hack hatte bereits geschrieben, dass auch die Grünen an der Situation ihren Teil dazu beigetragen haben wie sie nun ist. Wieder einmal geht es Dr. Veits nicht um Sachargumente, sondern um Polemik. Als zukunftsorientierter Mensch blicke ich ungern für Schuldzuweisung in die Vergangenheit, sondern suche gemeinsam Lösungen für die Zukunft. Von Hilflosigkeit kann hier – solange ich und die CDU Sachpolitik betreiben – keine Rede sein. Und bei Ihnen Dr. Veits? in zwei Punkten hat jedoch Dr. Veits nicht ganz unrecht. 1.) Mit den parteiinternen und in der Kommunalpolitik erfahrenen „Granden“ ist es nicht immer einfach. Insbesondere wenn Altstadtrat Hermann Hack den anerkannten Geologen und Gutachter Dr. Hildebrandt in einem Leserbrief der Heuchelei bezichtigt. Die CDU als Volkspartei, in der viele Meinungen erlaubt sind, wird auch dies aushalten. Aber jemand der so lange aktiv in der Kommunalpolitik tätig war, sollte es nicht passieren, dass er die Reputation eines solchen Experten öffentlich in Misskredit zieht. Sicherlich werden die Grünen, wenn sie einmal eine ähnliche Tradition haben wird, wie die CDU ähnliche Herausforderungen haben. Ich hoffe dann nicht mit Ihnen Dr. Veits. 2.) Es ist richtig die Grünen haben in vielen Dingen den Weg bereitet. Wahr ist aber auch, dass es in unserer Gesellschaft Trends gibt. Trends die sich nur schwer aufhalten lassen. In der vergangenen Woche war im Wirtschaftsteil der RNZ zu lesen, dass Verbraucher in der derzeitigen Krise am Essen sparen, aber nicht am Auto (Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK Nürnberg). Diese Aussage, kann wie viele andere, nicht ignoriert werden. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, steigende Senioren- und Frauen-Mobilität sind Argumente für eine Zunahme des Verkehrs und für eine Umgehung.

Ich möchte Herrn Klingenfuss, als Vertreter der Bürgerinitiative „NEIN zur Südumgehung“ in aller Deutlichkeit sagen, dass von meiner Seite von „Unwahrheiten sagen“ keine Rede sein kann. Ich würde mir nur wünschen, wenn die Diskussion versachlicht werden würde. Und hier gehört meines Erachtens dazu Prognosen, die von Experten, die zum Einen dies tagtäglich machen und zum Anderen „keine Äcker in Wiesloch haben“, nicht nur in Frage zu stellen, weil sie meinem eigenen Ziel nicht dienlich sind. Herr Klingenfuss wünscht sich wie viele andere auch, dass der Busverkehr ausgebaut werden soll, dass es einen kostenloses Shuttle-Bus geben soll und vieles mehr. Leider macht niemand konstruktive Vorschläge woher das Geld hierfür kommen soll. Verzichten wir auf Kinderbetreuung, Vereinsförderung, Seniorenarbeit etc.? Im Übrigen gab es mal ein HDM-Shuttle-Verkehr, der aber wieder eingestellt wurde. Wiesloch mit deutschen oder europäischen Metropolen, wo ein ganz anderes Verkehrsaufkommen herrscht, zu vergleichen, ist doch nicht sachlich. Einen Transrapid oder eine Seilbahn in Wiesloch sind tolle, innovative Ideen. Aber sind diese realistische Lösungen, die politisch und finanziell umsetzbar sind? Herr Klingenfuss hat aber recht, dass ein Umdenken stattfinden muss. Deshalb engagiere ich mich – im Gegensatz zu ihm – bei dem Verkehrsprojekt move. Ohne die Ergebnisse und die Arbeit von move schmälern zu wollen, war es bisher nur „Tropfen auf den heißen Stein“. Eine Kernaussage von mir war, dass eine Variante einer Umgehungsstraße, die wesentlich teurer ist, als eine andere, und die vom Land finanziert werden soll, keine Chance auf eine Realisierung hat. Darum geht es. Diese Aussage in einem anderen Licht darzustellen, ist unredlich und nicht dienlich. Genauso unredlich wie Ängste zu schüren. Denn egal bei welcher Variante werden und müssen die gesetzliche Vorgaben, z. B. zum Lärmschutz, eingehalten werden. Wie die Anwesenden bei der CDU-Veranstaltung (18. Januar) meiner Begrüßung entnehmen konnten, wollten wir insbesondere mit den Altwieslochern ins Gespräch kommen. Wie kommt dann der Leserbriefschreiber auf die Idee, dass die Wahlberechtigten nichts zählen? Als Vorsitzender der Wieslocher CDU gehe ich sogar noch weiter und sage, dass uns alle Bürger interessieren und nicht nur die Wahlberechtigten. Herr Klingenfuss kritisierte meine Argumentation, dass in Wiesloch erst grundsätzlich über das „ja“ oder „nein“ einer Umgehung diskutiert werden soll. Als Besucher der CDU-Veranstaltung konnte er hören und sehen, dass dieser Vorschlag nicht von mir kam, sondern von einem Anwohner in Altwiesloch. Auf den unsäglichen Vergleich Palatin und Verkehr in Altwiesloch möchte ich gar nicht weiter eingehen. Aber die Situation hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 54 Mio. Kraftfahrzeuge, 1990: 35 Mio., 1980: 27 Mio. und 1970: 16 Mio. Zudem sind mit der SAP und der MLP große Arbeitgeber entstanden. Lieber Herr Klingenfuss, als jemand der in Frauenweiler und somit weit weg vom Problem wohnt, kann ich sachlich und ergebnisoffen mich für eine realisierbare Lösung einsetzen.

Als passives Mitglied des NABU Wiesloch schätze ich dessen Arbeit sehr. Ich halte es jedoch für fraglich anhand einer einzelnen Zählung solche gravierende Schlussfolgerungen zu ziehen. Die 24-Stunden-Zählung ist eine Momentaufnahme an einer Stelle. Sie lässt aber keine Schlussfolgerung auf das Gesamtverkehrsaufkommen zu. Was wäre beispielsweise, wenn an diesem Tag – aus irgendwelchen Gründen – der Verkehr von Dielheim einen anderen Weg genommen hätte. Für eine 100%ige Aussagekraft müsste parallel an anderen relevanten Stellen ebenso gemessen werden. Aber auch, wenn der Verkehr abgenommen hat, so ist er immer noch sehr, sehr hoch. Keine Straße in Wiesloch, kein Teil von Wiesloch wird so sehr mit Lärm, KfZ, Feinstaub etc. belastet, wie Altwiesloch. Wegschauen nach dem Sankt-Floian-Prinzip kann doch keine Lösung sein.

In einem Radio-Interview vom vergangenen Freitag sagte ein bekannter deutscher Sänger folgenden Satz: „Es ist schöner und konstruktiver für etwas zu sein“. Ich bin (ergebnisoffen) für eine Umgehung. Ich bin für eine Entlastung der Menschen und für eine Steigerung von Lebensqualität. Ebenso meine Partei. Abschließend möchte ich eine These formulieren „Wiesloch wäre noch (!) liebenswerter, wenn es mehr Bürgerinitiativen gäbe, die für (!) etwas wäre“. Wer möchte mit mir eine gründen? Wie wäre es bspw. mit „für mehr Lebensqualität in (Alt-)Wiesloch.“

Adrian Seidler, CDU-Stadtrat und Vorsitzender CDU Ortsverband Wiesloch


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